Eine kurze Geschichte des Literaturhaus Frankfurt am Main e.V.

Bekenntnis zur Metropole

Ein Literaturhaus in der Main-Metropole zu errichten – das war für eine Gruppe engagierter Frankfurter Bürger 1989 ein Projekt mit Zukunft. Gemeinsam mit dem damaligen Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann ging es zunächst um Grundsätzliches: Ein Ort musste gefunden werden, das Vereinsrecht studiert und die Institution finanziell abgesichert werden. 1991 fand man mit der Villa Hoffmann im Frankfurter Westend ein repräsentatives Ambiente; eine Villa, die fast 15 Jahre dem Literaturhaus eine Heimat bot . Im Oktober 2005 zog das Literaturhaus dann in die neue, wiedererrichtete Alte Stadtbibliothek Frankfurts, die neben der guten Lage, direkt am Mainufer und im Zentrum zwischen der angrenzenden Innenstadt, Sachsenhausen-Nord, Bornheim und dem sich täglich aufschließenden Ostend vor allem auch vielfältigere und größere Veranstaltungsräume bot. Das Literaturhaus in der Rekonstruktion der Stadtbibliothek von 1825 ist eines der prächtigsten Gebäude für die lebendige Vermittlung der Literatur in Europa.

Seit seinem Beginn schaut das Literaturhaus auf eine lange Reihe von literarischen Veranstaltungen und Ausstellungen mit international bekannten Gästen zurück. Wechselnde ehrenamtliche Vorstände und zwei Leiter haben die Institution vor Hauke Hückstädt geprägt: Dr. Thomas Beckermann für die ersten fünf Jahre bis 1996 und dann bis Mitte 2010 Dr. Maria Gazzetti. Eine schwer überschaubare Zahl bedeutender Schriftsteller und Künstler waren und sind im Literaturhaus immer wieder zu Gast, darunter Elfriede Jelinek, Adam Zagajewski, António Lobo Antunes, Robert Gernhardt, Wilhelm Genazino, Peter Handke, Josef Bierbichler, Imre Kertész, Alexander Kluge, Mario Vargas Llosa, Javier Marías, Friederike Mayröcker, Jonathan Frantzen, Jeffrey Eugenides, Umberto Eco, Margriet de Moor, Martin Mosebach, Les Murray, Cees Nooteboom, Herlinde Koelbl, Tom Tykwer, Franz Josef Czernin, Christian Kracht, Marcel Reich-Ranicki, Jorge Semprún, Bodo Kirchhoff, Karl Schlögel, Peter Kurzeck, Herta Müller und viele andere.

Das Literaturhaus Frankfurt ist der Ort für die Begegnung und Auseinandersetzung mit den Literaturen, Künsten, Medien und Wissenschaften unserer Gegenwart. Neben der Autorenlesung und Diskussion veranstaltet das Literaturhaus aber auch Lesungskonzerte (etwa mit Jacques Palminger, Christiane Rösinger oder Knarf Rellöm) und große Partys. So jährlich der Tanz in den Mai und zur Frankfurter Buchmesse die Open Party sowie seit 2012 auch die Hotlist-Preisverleihung und Party der unabhängigen Verlage. Neben den traditionsreichen Diskussionsveranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk wie Streitfall oder Schöne Aussichten werden aber auch immer wieder neue Formate probiert. Das Literaturhaus betreibt mit Kopf & Hörer seit 2012 das bundesweit einzige kritische Diskussionspodium zum Hörbuch und kooperiert auch hier mit hr2-kultur. Mit Zur Sache! Das Frankfurter Sachbuchquartett ist ein kritisch begleitendes Organ für all jene Bücher ins Leben gerufen worden, die auf unterhaltsame Weise Wissen transportieren, hinterfragen oder vertiefen. Es gibt außerdem Lesungen in Privatwohnungen und Abende zu vergessenen Büchern und Autoren. Alljährlich im September sind zur einzigen gemeinsamen Lesung die sechs Autoren der Shortlist des Deutschen Buchpreises zu Gast. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt liest der jeweilige Inhaber der Stiftungsgastdozentur Poetik zum Abschluss im Literaturhaus aus seinen Werken.

Außerdem veranstaltet das Literaturhaus Frankfurt Symposien und Tagungen und kooperiert dafür ebenso mit den Universitäten Göttingens, Siegens und Frankfurts wie mit litprom Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.

Das Literaturhaus Frankfurt zeigte in der Vergangenheit Ausstellungen zu literarischen Themen. Etwa zu Robert Walser, Ernst Jandl, Hannah Arendt und Robert Gernhardt sowie Ausstellungen, die den Bogen von der Literatur zur bildenden Kunst schlagen, wie die Fotographien von Péter Nádas und Barbara Klemm, Fotomalereien von Rebecca Horn zu einem Manuskript von Martin Mosebach oder die Fotografie- und Wortinstallationen zu Heiner Müller von seiner Witwe Brigitte Maria Mayer.

Auch für Kinder und Jugendliche macht das Literaturhaus Frankfurt Programm: neben den Kinderbuch-Sonntagen und Schülerveranstaltungen gibt es Schreibwerkstätten für Jugendliche unter Anleitung profilierter Autoren wie Harriet Köhler, Matthias Göritz, Jamal Tuschick, Arne Rautenberg und Antje Wagner. Seit 2010 findet das Kinder- und Jugendprogramm unter der Marke Junges Literaturhaus statt.

Das KOLLEG SCHÖNE AUSSICHT ist das Literaturhaus Frankfurt für Lehrerinnen und Lehrer aller Fächer und Stufen aus Frankfurt und Umgebung und bietet seit 2011 Austausch auf Augenhöhe, es vernetzt Kultur und Schule und setzt in der schulübergreifenden Gemeinschaft des KOLLEGs kreative Impulse.

2005 erhielt das Literaturhaus Frankfurt den „Binding-Kulturpreis“ für seine Aktivitäten und seine Bedeutung für das kulturelle Leben in der Stadt Frankfurt.

Der Literaturhaus-Verein zählt mittlerweile ca. 660 Mitglieder.